Wenn’s wieder kreucht und fleucht

5. April 2018 | casanos­tra, Jour­nal­is­mus

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Jet­zt zieht es Hob­bygärt­ner­in­nen und ‑gärt­ner wieder nach draussen. Lan­dauf, landab will die Umge­bung wieder aus dem Win­ter­schlaf erweckt und in Schuss gehal­ten wer­den. Wie aber wird des Garten­lieb­habers Paradies auch zu einem Eldo­ra­do für aller­lei Vögel, Insek­ten und Nüt­zlinge? Casanos­tra hat bei Experten nachgefragt.

aus casanos­tra 145

© Casafair Schweiz

Ein gutes Garten­jahr startet mit dem fes­ten Vor­satz, nicht bloss enthu­si­astisch anz­u­fan­gen, son­dern das ganze Jahr dran zu bleiben.

Wer über einen Garten ver­fügt, kann die ersten war­men Tage kaum erwarten. Die Biogärt­nereien, Gar­ten­cen­ter und die ein­schlägi­gen Abteilun­gen der Grossverteil­er haben in diesen Tagen Hochkon­junk­tur. Gärt­nern begin­nt näm­lich im Kopf – nicht mit dem Tritt auf den Spat­en: «Ein gutes Garten­jahr startet mit dem fes­ten Vor­satz, nicht bloss enthu­si­astisch anz­u­fan­gen und dann den Garten wegen Arbeit­süber­las­tung, Ferien oder anderem sich sel­ber zu über­lassen, son­dern das ganze Jahr dran zu bleiben», mah­nt Gartengestal­ter Fre­di Zollinger. Ausser­dem sei im ab und an noch kalten April dur­chaus Geduld gefragt: «Auch wenn man vor Vor­freude und Ungeduld fast platzt: es lohnt sich, mit der Boden­bear­beitung zuzuwarten, bis der Boden nicht mehr schmierig und etwas aufgewärmt ist.»

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So ganz ist der Win­ter ja auch noch nicht über­standen. Die Eisheili­gen fol­gen noch. Darum ist es dieser Tage noch zu früh für käl­teempfind­liche Pflanzen, rät Ralph Schwarz von der Fir­ma Ander­matt Biog­a­rten in Gross­di­etwil: «Die Tomat­en wer­den zwar schon über­all zum Verkauf ange­boten, jedoch soll­ten diese nicht vor Mitte Mai nach draussen gepflanzt wer­den.» Auch Gurken und Peper­oni über­ste­hen Nacht­fröste schlecht. «Rüe­bli, Erb­sen und Zwiebeln kön­nen aber bedenken­los bere­its ab Mitte März aus­gesät wer­den», fügt Fre­di Zollinger hinzu. Und weit­er: «Auch Salate, Fenchel und Kohlgewächse kön­nen schon früh geset­zt wer­den, wenn sie mit einem Vlies gedeckt werden.»

Wenn bloss die Schneckenplage nicht wäre

Die Garten­lust kann freilich dem Garten­frust weichen, wenn die Sch­neck­en im Garten ein­fall­en wie wei­land die Hun­nen im Reich der Ost­goten. Der Griff zu den Sch­neck­enkörn­ern ist dann nicht die beste Lösung. Fre­di Zollinger emp­fiehlt den Sch­necken­za­un aus Blech: «Das funk­tion­iert allerd­ings nur, wenn es nir­gends einen Durch­schlupf oder natür­liche Brück­en durch Gräs­er oder Zweige gibt.» Und selb­st dann schleppe man – etwa mit dem Kom­post – manch­mal Sch­neck­en ein, welche wieder einge­sam­melt wer­den müssen.

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Eine effek­tive Mass­nahme gegen Schädlinge im Garten ist auch eine reiche Arten­vielfalt. Stimme der Leben­sraum, seien die Schädlinge weniger prob­lema­tisch, weil auch die Zahl der Nüt­zlinge steige, sagt Ralph Schwarz: «Je mehr Spitzmäuse, Igel und Vögel im Garten wohnen, desto weniger Enger­linge habe ich.» Gartengestal­ter Zollinger ergänzt: «Was es braucht, ist eine möglichst grosse Vielfalt an ein­heimis­chen Pflanzen und Leben­sräu­men. Nur so entste­ht ein Gle­ichgewicht, in dem die Gefahr von massen­haftem Auftreten von Schädlin­gen und Krankheit­en reduziert wer­den kann.»

Eine grosse Arten­vielfalt reg­uliert vieles sel­ber. Man könne aber dur­chaus auch nach­helfen: «Nüt­zlinge lassen sich auch aus­set­zen», sagt der Garten­ex­perte Ralph Schwarz: «Der ein­heimis­che Zweipunkt-Marienkäfer beispiel­sweise hil­ft gegen Blat­tläuse.» Ab und an kön­nen aber auch Nüt­zlinge zu Schädlin­gen mutieren. Der Ohrwurm etwa ist im Obst­bau beliebt, weil er nächt­ens bis zu 120 Blut­läuse ver­putzt. Geht ihm jedoch die Beute aus, macht er sich über Blüten und über­reifes Obst her.

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Auch Artenvielfalt bedingt Pflege

Dann und wann wird der natür­liche Garten mit einem wuch­ern­den und wilden Garten gle­ichge­set­zt. Das sei aber falsch: «Ver­wildern lassen ist noch nicht Bio­di­ver­sität», meint Fre­di Zollinger. «Dass ein natur­na­her Garten ein­fach sich sel­ber über­lassen wer­den kann, ist ein gross­er Irrtum. Oder zeugt von der falschen Hoff­nung, sich mit einem ver­wilderten Gariten als Förder­er der Bio­di­ver­sität brüsten zu kön­nen.» Auch ein Natur­garten bedinge Pflege, ergänzt der Experte von Ander­matt Biog­a­rten, Ralph Schwarz: «Viele Sträuch­er müssen für ein opti­males Wach­s­tum geschnit­ten wer­den.» Daneben brauche es geeignete Leben­sräume: etwa Stein­haufen mit Hohlräu­men für Amphi­bi­en oder trock­ene Unter­schlüpfe für Igel.

Den Garten ein­fach ver­wildern zu lassen, ist noch nicht Biodiversität.

Auch beim The­ma Jäten gebe es Missver­ständ­nisse, sagen die Fach­leute. Jäten sei dur­chaus empfehlenswert, wenn die Jagd nach jedem unge­planten Kräut­lein nicht über­trieben werde. «Durch Jäten schafft man Leben­sraum, weil man die Diver­sität der Pflanzen erhöht und ihnen Platz schafft», sagt Ralph Schwarz. Allerd­ings: «Wenn man es übertreibt und gar keinen natür­lichen Pflanzen­wuchs zulässt, schadet man dem Lebensraum.»

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Ähn­lich sieht es aus beim wöchentlich gemäht­en Rasen, welchen viele schätzen. Dieser sei nicht in jedem Fall ein Bio­di­ver­sität­skiller – wenig­stens nicht, solange der Garten nicht nur aus Rasen und Thu­ja­hecke beste­he. Fre­di Zollinger: «Wenn auf den Ein­satz von Her­biziden und syn­thetis­chen Düngern verzichtet wird, kann die Spiel- oder Liegewiese dur­chaus ihre Berech­ti­gung haben. Es beste­ht ja auch die Möglichkeit, auf kaum genutzten Rand­bere­ichen oder mit ‹Blu­menin­seln› dem Wun­sch nach der für die Arten­vielfalt tat­säch­lich viel wertvolleren Natur­wiese Rech­nung zu tragen.»

Diesem Ansatz pflichtet Ralph Schwarz bei: «Das schliesst sich nicht aus und macht einen Garten doch erst span­nend: Auf dem Lieges­tuhl liegen, den Schmetter­lin­gen zuse­hen und dabei gesunde Beeren aus dem eige­nen Garten essen – das ist doch traumhaft.»

Andreas Käser­mann