Wann ist eine E‑Zigi eine Zigi? Im Bundeshaus ist sie erlaubt, im Zug nicht

2. Dezem­ber 2013 | Blick, Jour­nal­is­mus

e-Zigarette© Dirk Kruse/pixelio.de

Während Poli­tik­er im Bun­de­shaus die E‑Zigi noch legal paf­fen, gibts Bussen im Zug. Kommt nach dem Krieg ums Rauchen die Schlacht ums Dampfen?

erschienen im Blick

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Bald ist ganz aus­gepafft in Schweiz­er Zügen. Ab Mitte Monat wird jenen Pas­sagieren, die mit der elek­tro­n­is­chen Zigarette erwis­cht wer­den, 25 Franken Busse aufge­brummt. Der Grund liegt vor­ab darin, dass mit dem jet­zi­gen blossen Rauchver­bot der Unter­schied zwis­chen bis­lang legaler E‑Zigi und längst geah­n­de­ter Zigarette prak­tisch nicht sicht­bar sei.

Auch im Bun­de­shaus hin­gen bis vor weni­gen Jahren bisweilen dicke Schwaden in der Wan­del­halle, ins­beson­dere, wenn Abend­sitzun­gen ange­set­zt waren. Seit nun­mehr sieben Jahren gilt jedoch ein kom­plettes Rauchver­bot. Das hält trotz­dem einige nicht vom Kon­sum der E‑Zigarette ab. Dieses Phänomen sei auch noch rel­a­tiv neu, sagt Mark Stuc­ki, Sprech­er der Par­la­ments­di­en­ste. «Das Rauchver­bot erwäh­nt die elek­tro­n­is­che Zigarette nicht expliz­it und bis­lang gab es keine Rekla­ma­tio­nen deswe­gen.» Er sehe aber auch eine Lücke und gele­gentlich müsste disku­tiert wer­den, wie man mit der E‑Zigarette umge­hen wolle.

Ab und an zur elek­tro­n­is­chen Zigarette greift auch Nation­al­rätin Jacque­line Bad­ran (SP/ZH). Im Bun­de­shaus zücke sie die E‑Zigi aber bloss zu Demon­stra­tionszweck­en, wie sie beteuert. Das Rauchver­bot im Hause, das zum Schutz der Nich­trauch­er instal­liert wurde, sieht Bad­ran nicht umgan­gen: «Ich beein­trächtige nie­man­den. Der Dampf, den ich ausatme, ist zwar sicht­bar, es sind aber kein­er­lei schädliche Stoffe enthal­ten.» Tat­säch­lich ist Dampfen auch gemäss Bun­de­samt für Gesund­heit nicht gle­ich Rauchen: «Im Bun­des­ge­setz zum Schutz vor Pas­sivrauchen sind elek­tro­n­is­che Zigaret­ten nicht aus­drück­lich geregelt, da diese den Inhalt der Kar­tusche ver­dampfen und nicht ver­bren­nen.» Eine Wortk­lauberei, die Spiel­raum offen lässt.

Nation­al­rätin Ruth Hum­bel (CVP/AG) geht es bei der Diskus­sion vor­ab um den Schutz der Nich­trauch­er. «Das Rauchver­bot ist richtig und wird akzep­tiert. Wenn jet­zt Poli­tik­er im Bun­de­shaus bei der Befriedi­gung ihrer Sucht eine Lücke im Ver­bot aus­nutzen und drin­nen zur E‑Zigarette greifen, so finde ich das etwas kindisch.» Es gebe ja eine schöne Ter­rasse, wo man gar «richtig» rauchen dürfe, sagt Humbel.

Andreas Käser­mann