Start­hil­fe für Klimamassnahmen

10. Novem­ber 2022 | Jour­na­lis­mus, VCS-Maga­zin

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Im Herbst haben SP und Grü­ne die gemein­sa­me eid­ge­nös­si­sche Kli­ma­fonds-Initia­ti­ve lan­ciert. Das Volks­be­geh­ren will den Bund in die Pflicht neh­men, eine Scha­tul­le zu äuf­nen, aus wel­cher Kli­ma­schutz­pro­jek­te fi anzi­ell unter­stützt wer­den können.

aus VCS-Maga­zin 4/2022

© VCS Schweiz

Es ist wahr­lich eine Sel­ten­heit, dass sich zwei Par­tei­en bei nahen­dem Wahl­ter­min zusam­men­rau­fen und in Koope­ra­ti­on eine Volks­in­itia­ti­ve star­ten. Die Kli­ma­kri­se ist jedoch frag­los ein Sujet, das Grü­ne eben­so bewegt, wie es Genos­sin­nen und Genos­sen als dring­lich erach­ten. Anfangs wur­de dar­um in bei­den Par­tei­zen­tra­len über eine eige­ne Kli­ma­in­itia­ti­ve gebrü­tet. Im Sin­ne der Sache wur­de die Stra­te­gie des gemein­sa­men Wegs gewählt. So ent­stand die Idee des Klimafonds.

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Balthasar Glättli© Par­la­ments­dien­ste​Doch soll­te man anneh­men dür­fen, dass der kli­ma­po­li­ti­sche Weck­ruf nach Hoch­was­sern und Hit­ze­wel­len nun­mehr über­all ver­nom­men wür­de. Ein Trug­schluss, kon­tert Grü­nen-Prä­si­dent Bal­tha­sar Glätt­li. Wir hät­ten gros­sen Nach­hol­be­darf: «Mit den bis­lang beschlos­se­nen Mass­nah­men erreicht die Schweiz nicht ein­mal das eige­ne Net­to-Null-Ziel bis 2050. Und von der Ver­pflich­tung des Pari­ser Kli­ma­ab­kom­mens, einen gerech­ten Bei­trag ans 1,5‑Grad-Ziel zu lei­sten, ist die Schweiz Wel­ten entfernt.»

Mattea Meyer© Par­la­ments­dien­steAuch Mat­tea Mey­er, Co-Prä­si­den­tin der SP Schweiz, ist über­zeugt: Ohne wei­te­re Anstren­gun­gen schei­te­re das Land an der «Jahr­hun­dert-Her­aus­for­de­rung» – wie sie es nennt: «Wenn wir die Debat­ten im Par­la­ment ver­fol­gen, so haben die Bür­ger­li­chen bis heu­te noch nicht begrif­fen, dass wir jetzt in hei­mi­sche erneu­er­ba­re Ener­gien inve­stie­ren müs­sen. Für eine unab­hän­gi­ge und kli­ma­freund­li­che Ener­gie­ver­sor­gung sowie mehr Ver­sor­gungs­si­cher­heit braucht es den Klimafonds.»

Geld aus der Bundeskasse

Die­ser Kli­ma­fonds müss­te gemäss Initia­tiv­text von der Eid­ge­nos­sen­schaft errich­tet und ali­men­tiert wer­den. Er hül­fe, die Start­schwie­rig­kei­ten von Pro­jek­ten zu über­win­den, ist Bal­tha­sar Glätt­li über­zeugt: «Vie­le moder­ne Tech­no­lo­gien, wel­che die gest­ri­ge fos­sil ange­trie­be­ne Tech­nik ablö­sen, sind in der gesam­ten Betriebs­dau­er nicht teu­rer. Die Kli­ma­fonds-Gel­der hel­fen jedoch, die grös­se­ren Anfangs­in­ve­sti­tio­nen schnell zu stemmen.»

Das will die Klimafonds-Initiative

Die Initia­ti­ve ver­langt, dass der Bund in den Aus­stieg aus den fos­si­len Ener­gien und in einen spar­sa­me­ren und effi­zi­en­te­ren Ener­gie­ver­brauch inve­stiert. Auch die Ver­sor­gungs­si­cher­heit soll ver­bes­sert und der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien geför­dert wer­den. Für die dafür nöti­ge Aus‑, Um- und Wei­ter­bil­dung will die Initia­ti­ve zusätz­li­che Gel­der zur Ver­fü­gung stel­len. Der Bund ver­fügt über einen Inve­sti­ti­ons­fonds für die Finan­zie­rung der bun­des­ei­ge­nen Pro­jek­te und für Bei­trä­ge an die Vor­ha­ben von Kan­to­nen und Gemein­den – den Kli­ma­fonds. Die­ser wird jähr­lich mit Mit­teln in der Höhe von 0,5–1 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts gespeist. Der Bei­trag kann gemäss Initia­tiv­text gesenkt wer­den, wenn die natio­na­len und inter­na­tio­na­len Kli­ma­zie­le erreicht sind.

Der Fonds-Bei­trag aus der Bun­des­kas­se wird im Initia­tiv­text auf jähr­lich 0,5 bis 1 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts fest­ge­legt – der­zeit rund 3,5 bis 7 Mil­li­ar­den Fran­ken. Ein ordent­li­cher Bat­zen, gesteht Mat­tea Mey­er, gibt indes zu beden­ken: «Die Erneue­rung der Infra­struk­tur bringt ins­be­son­de­re dem Gewer­be rie­si­ge Auf­trags­vo­lu­men und schafft gute, zukunfts­wei­sen­de Arbeits­plät­ze. Wenn wir jetzt nichts unter­neh­men, kostet dies uns und unse­re Kin­der noch viel mehr.» Der Kli­ma­fonds in Kom­bi­na­ti­on mit einem guten neu­en CO2-Gesetz wäre über­dies eine gute Grund­la­ge, um die Gesell­schaft aus der Abhän­gig­keit von Auto­kra­ten und Olig­ar­chen zu führen.

Andre­as Käsermann