Radon — Der stille Killer im Keller

23. Juni 2017 | casanos­tra, Jour­nal­is­mus

Radioaktivität© Andreas Käsermann

Der Bun­desrat hat neulich die Richtlin­ien zum Schutz vor Strahlung ver­schärft. Auch beim radioak­tiv­en Gas Radon gel­ten ab 2018 tief­ere Ref­eren­zw­erte. Wer baut oder ren­oviert, ist von den Neuerun­gen betroffen.

aus casanos­tra 141

© Casafair Schweiz

Der Bun­desrat beab­sichtige mit der neuen Regelung, Bevölkerung und Umwelt bess­er vor ion­isieren­der Strahlung zu schützen und die geset­zlichen Grund­la­gen des Strahlen­schutzes an die inter­na­tionalen Richtlin­ien anzu­passen, heisst es aus dem Bun­de­samt für Gesund­heit. Die neuen Richtlin­ien und Ref­eren­zw­erte betr­e­f­fen sowohl die kün­stliche wie auch die natür­liche Strahlung. Die Rönt­gen­abteilung im Spi­tal ist also eben­so tang­iert wie die Bauher­rin oder der ren­o­va­tion­swillige Hausbesitzer.

So will der Bun­desrat, dass beim Bauen kün­ftig die Radon­be­las­tung in der ganzen Schweiz stärk­er beachtet wird. Für das natür­liche, radioak­tive Gas Radon gilt neu ein Ref­eren­zw­ert von 300 Bec­quer­el pro Kubik­me­ter in Wohn- und Aufen­thalt­sräu­men – bis­lang sind es 400 Bec­quer­el pro Kubik­me­ter, wobei das Bun­de­samt für Gesund­heit bere­its heute 300 Bec­quer­el empfiehlt.

Radon wird weitgehend unterschätzt

Radon ist eine gesund­heitliche Belas­tung. Diesen Schluss zieht auch die Kreb­sli­ga Schweiz. Flo­ri­an Suter, Fach­spezial­ist Präven­tion und Umwelt, sagt: «Radon ist nach dem Rauchen die häu­fig­ste Ursache für Lun­genkrebs. In der Schweiz führt das radioak­tive Edel­gas jährlich zu 200 bis 300 Todes­fällen.» Das Gas komme natür­licher­weise über­all im Boden vor. In der Umge­bungsluft ist die Radonkonzen­tra­tion jedoch zu ger­ing für eine gesund­heitss­chädi­gende Wirkung.

«Gelangt Radon allerd­ings aus dem Boden durch undichte Stellen ins Haus, kann es sich dort anre­ich­ern und die Gesund­heit der Haus­be­wohn­er gefährden», warnt Suter. Zer­falle das Radon, gelangten radioak­tive Schwe­beteilchen in die Atem­luft. «Wer­den diese eingeat­met, gelan­gen sie in die Lunge, lagern sich auf dem Lun­gengewebe ab und bestrahlen dieses. Dadurch kann Lun­genkrebs entstehen.»

 Radon ist nach dem Rauchen die häu­fig­ste Ursache für Lungenkrebs.

Radon tritt zwar in der ganzen Schweiz auf, jedoch ist die Belas­tung region­al sehr unter­schiedlich. Beson­ders Radon-belastet sind das Bünd­ner­land, das Tessin und der Jurabo­gen. Dies seien aber nur grobe Faus­tregeln, sagt der Radon-Experte des Hausvere­in Schweiz Stephan Bau­mann: «Die Belas­tung ist klein­räu­mig sehr unter­schiedlich: In unser­er Liegen­schaft habe ich 30 Bec­quer­el gemessen; bei meinem Nach­barn, der zehn Meter ent­fer­nt wohnt, sind es 800 Becquerel.»

Unterschiedliche Belastung

Radon ist ein Zer­fall­spro­dukt des Urans. Das Edel­gas steigt aus dem Boden auf und verdün­nt sich in der Luft auf min­i­male Werte. In geschlosse­nen Räu­men kann Radon jedoch nicht entwe­ichen. Das Gas sam­melt sich und die Konzen­tra­tion nimmt zu. In der Schweiz wur­den bere­its Spitzen­werte bis zu 10 000 Bec­quer­el pro Kubik­me­ter Luft gemessen.

Naturgemäss sind vor­wiegend Keller­räume betrof­fen; auch im Erdgeschoss kön­nen bisweilen hohe Werte gemessen wer­den. Längst nicht jedes Haus und bei weit­em nicht alle Keller sind gle­icher­massen betrof­fen: «Mod­erne Häuser haben meist weniger Risiken, alte Betonkeller sind aber kein Schutz», sagt Bau­mann. «Im Natur­bo­denkeller ist häu­fig Radon zu find­en. Mod­erne Keller sind hinge­gen wasserdicht, da ist das Risiko für Radon­prob­leme geringer.» Den Keller­bo­den jedoch nachträglich zu betonieren, sei ein­er­seits kost­spielig, ander­er­seits auch eine Mass­nahme, die sel­ten den gewün­scht­en Nutzen bringe. Geeigneter – und wesentlich gün­stiger – sei es beispiel­sweise, einen wenig benutzten Raum im Keller in einen leicht­en Unter­druck zu ver­set­zen. Das Gas wird sich dann dort sam­meln und kann per Lüfter ins Freie befördert werden.

Radonmessung lohnt sich

Jedoch ist auch ein Neubau nicht per se vor Radon sich­er. Klarheit über die Radon­be­las­tung schafft einzig eine Mes­sung – ganz beson­ders bei geplanten Ren­o­va­tio­nen. Dosime­ter, die über mehrere Monate die Radon­be­las­tung messen, kosten 70 bis 80 Franken. «Eine Mes­sung ist beson­ders während der Heizpe­ri­ode sin­nvoll», sagt Radon-Experte Bau­mann. Dies ins­beson­dere darum, weil im Som­mer häu­figer gelüftet werde und dies ein Resul­tat ver­fälschen kön­nte. «Aus­sagekräftige und zuver­läs­sige Mes­sun­gen soll­ten überdies unge­fähr drei Monate dauern. Und sie soll­ten ab und an wieder­holt wer­den, etwa wenn eine neue Heizung instal­liert oder Fen­ster erset­zt wer­den.» Dies könne die Radon­be­las­tung nicht uner­he­blich beeinflussen.

Das Bun­de­samt für Gesund­heit emp­fiehlt, Radon­mes­sun­gen sowohl im Wohn­bere­ich wie auch im Keller durchzuführen. Einige Kan­tone bieten Radon­mes­sun­gen auch kosten­los an. Das BAG führt überdies eine Liste von anerkan­nten Fachpersonen.

Andreas Käser­mann