23. Juni 2017 - casanostra

Der Bun­des­rat hat neu­lich die Richt­li­ni­en zum Schutz vor Strah­lung ver­schärft. Auch beim radio­ak­ti­ven Gas Radon gel­ten ab 2018 tie­fe­re Refe­renz­wer­te. Wer baut oder reno­viert, ist von den Neue­run­gen ab 2018 betrof­fen.

Der Bun­des­rat beab­sich­ti­ge mit der neu­en Rege­lung, Bevöl­ke­rung und Umwelt bes­ser vor ioni­sie­ren­der Strah­lung zu schüt­zen und die gesetz­li­chen Grund­la­gen des Strah­len­schut­zes an die inter­na­tio­na­len Richt­li­ni­en anzu­pas­sen, heisst es aus dem Bun­des­amt für Gesund­heit. Die neu­en Richt­li­ni­en und Refe­renz­wer­te betref­fen sowohl die künst­li­che wie auch die natür­li­che Strah­lung. Die Rönt­gen­ab­tei­lung im Spi­tal ist also eben­so tan­giert wie die Bau­her­rin oder der reno­va­ti­ons­wil­li­ge Haus­be­sit­zer.

So will der Bun­des­rat, dass beim Bau­en künf­tig die Radon­be­las­tung in der gan­zen Schweiz stär­ker beach­tet wird. Für das natür­li­che, radio­ak­ti­ve Gas Radon gilt neu ein Refe­renz­wert von 300 Bec­que­rel pro Kubik­me­ter in Wohn- und Auf­ent­halts­räu­men – bis­lang sind es 400 Bec­que­rel pro Kubik­me­ter, wobei das Bun­des­amt für Gesund­heit bereits heu­te 300 Bec­que­rel emp­fiehlt.

 

Radon wird weit­ge­hend unter­schätzt

Radon ist eine gesund­heit­li­che Belas­tung. Die­sen Schluss zieht auch die Krebs­li­ga Schweiz. Flo­ri­an Suter, Fach­spe­zia­list Prä­ven­ti­on und Umwelt, sagt: «Radon ist nach dem Rau­chen die häu­figs­te Ursa­che für Lun­gen­krebs. In der Schweiz führt das radio­ak­ti­ve Edel­gas jähr­lich zu 200 bis 300 Todes­fäl­len.» Das Gas kom­me natür­li­cher­wei­se über­all im Boden vor. In der Umge­bungs­luft ist die Radon­kon­zen­tra­ti­on jedoch zu gering für eine gesund­heits­schä­di­gen­de Wir­kung.

«Gelangt Radon aller­dings aus dem Boden durch undich­te Stel­len ins Haus, kann es sich dort anrei­chern und die Gesund­heit der Haus­be­woh­ner gefähr­den», warnt Suter. Zer­fal­le das Radon, gelang­ten radio­ak­ti­ve Schwe­be­teil­chen in die Atem­luft. «Wer­den die­se ein­ge­at­met, gelan­gen sie in die Lun­ge, lagern sich auf dem Lun­gen­ge­we­be ab und bestrah­len die­ses. Dadurch kann Lun­gen­krebs ent­ste­hen.»

 Radon ist nach dem Rau­chen die häu­figs­te Ursa­che für Lun­gen­krebs.

Radon tritt zwar in der gan­zen Schweiz auf, jedoch ist die Belas­tung regio­nal sehr unter­schied­lich. Beson­ders Radon-belas­tet sind das Bünd­ner­land, das Tes­sin und der Jura­bo­gen. Dies sei­en aber nur gro­be Faust­re­geln, sagt der Radon-Exper­te des Haus­ver­ein Schweiz Ste­phan Bau­mann: «Die Belas­tung ist klein­räu­mig sehr unter­schied­lich: In unse­rer Lie­gen­schaft habe ich 30 Bec­que­rel gemes­sen; bei mei­nem Nach­barn, der zehn Meter ent­fernt wohnt, sind es 800 Bec­que­rel.»

 

Unter­schied­li­che Belas­tung

Radon ist ein Zer­falls­pro­dukt des Urans. Das Edel­gas steigt aus dem Boden auf und ver­dünnt sich in der Luft auf mini­ma­le Wer­te. In geschlos­se­nen Räu­men kann Radon jedoch nicht ent­wei­chen. Das Gas sam­melt sich und die Kon­zen­tra­ti­on nimmt zu. In der Schweiz wur­den bereits Spit­zen­wer­te bis zu 10 000 Bec­que­rel pro Kubik­me­ter Luft gemes­sen.

Natur­ge­mäss sind vor­wie­gend Kel­ler­räu­me betrof­fen; auch im Erd­ge­schoss kön­nen bis­wei­len hohe Wer­te gemes­sen wer­den. Längst nicht jedes Haus und bei wei­tem nicht alle Kel­ler sind glei­cher­mas­sen betrof­fen: «Moder­ne Häu­ser haben meist weni­ger Risi­ken, alte Bet­on­kel­ler sind aber kein Schutz», sagt Bau­mann. «Im Natur­bo­den­kel­ler ist häu­fig Radon zu fin­den. Moder­ne Kel­ler sind hin­ge­gen was­ser­dicht, da ist das Risi­ko für Radon­pro­ble­me gerin­ger.» Den Kel­ler­bo­den jedoch nach­träg­lich zu beto­nie­ren, sei einer­seits kost­spie­lig, ande­rer­seits auch eine Mass­nah­me, die sel­ten den gewünsch­ten Nut­zen brin­ge. Geeig­ne­ter – und wesent­lich güns­ti­ger – sei es bei­spiels­wei­se, einen wenig benutz­ten Raum im Kel­ler in einen leich­ten Unter­druck zu ver­set­zen. Das Gas wird sich dann dort sam­meln und kann per Lüf­ter ins Freie beför­dert wer­den.

 

Radon­mes­sung lohnt sich

Jedoch ist auch ein Neu­bau nicht per se vor Radon sicher. Klar­heit über die Radon­be­las­tung schafft ein­zig eine Mes­sung – ganz beson­ders bei geplan­ten Reno­va­tio­nen. Dosi­me­ter, die über meh­re­re Mona­te die Radon­be­las­tung mes­sen, kos­ten 70 bis 80 Fran­ken. «Eine Mes­sung ist beson­ders wäh­rend der Heiz­pe­ri­ode sinn­voll», sagt Radon-Exper­te Bau­mann. Dies ins­be­son­de­re dar­um, weil im Som­mer häu­fi­ger gelüf­tet wer­de und dies ein Resul­tat ver­fäl­schen könn­te. «Aus­sa­ge­kräf­ti­ge und zuver­läs­si­ge Mes­sun­gen soll­ten über­dies unge­fähr drei Mona­te dau­ern. Und sie soll­ten ab und an wie­der­holt wer­den, etwa wenn eine neue Hei­zung instal­liert oder Fens­ter ersetzt wer­den.» Dies kön­ne die Radon­be­las­tung nicht uner­heb­lich beein­flus­sen.

Das Bun­des­amt für Gesund­heit emp­fiehlt, Radon­mes­sun­gen sowohl im Wohn­be­reich wie auch im Kel­ler durch­zu­füh­ren. Eini­ge Kan­to­ne bie­ten Radon­mes­sun­gen auch kos­ten­los an. Das BAG führt über­dies eine Lis­te von aner­kann­ten Fach­per­so­nen.

Andre­as Käser­mann