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Simo­ne Mosi­mann wäscht weis­ser

Die Sei­fen­sie­derin von der Hal­ler­stras­se

27. Okto­ber 2017

© Läng­gas­sblatt

Unauf­fäl­li­ger könn­te die Sei­fen­ma­nu­fak­tur «bblubb» kaum lie­gen: In einer Depen­dance der Uni­ver­si­tät Bern. Im neon­be­son­ne­nen Kel­ler der Hal­ler­stras­se 8 – in einem schnö­den Geschäfts­bau, wo wei­land die Fir­ma Küm­mer­ly & Frey ihre kar­to­gra­phi­schen Erzeug­nis­se her­stell­te. Die Druck­pres­sen sind frei­lich längst ver­schwun­den. Und dort wo  es einst nach Druck­far­be und Rei­ni­gungs­ben­zin roch, da stei­gen einem nun aller­hand blu­mi­ge Düf­te in die Nase.

Etwas nüch­tern sind die Räum­lich­kei­ten der Ber­ner Sei­fen­ma­nu­fak­tur bestückt. «Prak­tisch», sagt Simo­ne Mosi­mann, die Che­fin und Mut­ter des Betriebs. «Wir holen her, was wir gera­de benö­ti­gen.» Wer­de Sei­fe gesie­det, stün­den zahl­lo­se Koch­töp­fe auf den Herd­plat­ten im Ate­lier. «Das sieht dann ein wenig aus wie im Ker­zen­kel­ler.» Der­zeit wür­den aber vor allem gegos­se­ne Sei­fen pro­du­ziert. Auf dem Arbeits­tisch steht dar­um eine Bat­te­rie aus fünf kom­mu­nen Mikro­wel­len­öfen bereit. «Dar­in ver­flüs­si­ge ich die Sei­fe, um sie anschlies­send in aller­lei For­men zu gies­sen.»

© Andre­as Käser­mann

2005 hat sie ihre ersten Ver­su­che als Sei­fen­sie­derin gemacht. «Mir wur­de anfangs abge­ra­ten. Ein befreun­de­ter Apo­the­ker warn­te mich vor der che­mi­schen Reak­ti­on der ver­wen­de­ten, stark erhitz­ten Öle und dem ätzen­den Natri­um­hy­dro­xid.» Das habe sie dann aber erst recht gereizt. Mit Schutz­bril­le, Mas­ke und Gum­mi­hand­schu­hen aus­ge­rü­stet ging’s ans Werk. «Aus­ge­sucht habe ich mir als Erst­lings­stück die Sei­fe mit Kaf­fee­aro­ma.» Die­se wer­de unter Ken­nern als äus­serst schwie­rig her­zu­stel­len apo­stro­phiert; als eigent­li­ches Mei­ster­stück durch­aus respekt­voll hoch­ge­schätzt. «Ich dach­te mir: wenn mir die­se hei­kel­ste aller Sei­fen gelingt, dann wird das mit den ein­fa­che­ren Düf­ten ja auch nicht so schwie­rig sein.» Das Expe­ri­ment glück­te auf Anhieb. «Das war der Start der Sei­fen­ma­nu­fak­tur bblubb.»

Anfangs – vor zwölf Jah­ren – war das Pro­jekt bblubb als Neben­be­schäf­ti­gung gedacht. Simo­ne Mosi­mann arbei­te­te als Gym­na­stik­trai­ne­rin, Haus­frau, Mut­ter und war auf die­se Wei­se gut aus­ge­la­stet. Die Lust nach krea­ti­ver Tätig­keit und Hand­werk hat sie bewo­gen, im Brei­ten­rain eine Gara­ge zu mie­ten. Dort woll­te sie Sei­fe auf der Basis pflanz­li­cher Öle her­stel­len.

Begon­nen hat sie mit schwe­ren Sei­fen­blöcken: Von Hand gesie­det und in eigens gezim­mer­ten Holz­sei­fen­ki­sten gegos­sen. So ent­ste­hen Blöcke von gut einem Meter Län­ge. «Die­se Sei­fen­blöcke müs­sen min­de­stens drei Mona­te gela­gert wer­den, bevor ich sie zu Stücksei­fen schnei­den kann. Erst dann haben sie die nöti­ge Qua­li­tät.»

Neue Ein­fäl­le am lau­fen­den Band

Doch die Sei­fen­blöcke allein ver­moch­ten Mosi­mann nicht all­zu lan­ge zu fas­zi­nie­ren. «Da geht noch mehr», habe sie sich gesagt und stän­dig neue For­men gesucht. «Als erstes habe ich den Ber­ner Bär ver­sucht.» Ein ste­hen­der Mutz von 120 Gramm Gewicht. «Die Form dazu hat­te mein Vater bei sich im Kel­ler gefun­den.» Der Bär wur­de zum Ren­ner – bis heu­te ist er der Klas­si­ker schlecht­hin im bblubb-Sor­ti­ment. Auch Bern Tou­ris­mus erkann­te das Poten­zi­al des Sei­fen-Bären aus städ­ti­scher Hand­ar­beit für den Frem­den­ver­kehr und wur­de früh zu einem wich­ti­gen Abneh­mer der Sei­fen.

Wei­te­re folg­ten: Die Bünd­ner Tou­ris­mus­bran­che setzt auf den bblubb-Stein­bock, das Saa­nen­land auf die Zie­ge, die Zür­cher auf den Löwen. Alles in Hand­ar­beit. Wenn immer mög­lich mit Roh­stof­fen aus der Schweiz. «Hin und wie­der muss ich eine Ver­packung in Deutsch­land kau­fen, wenn es sie in der Schweiz nicht gibt. Oder wenn etwa eine fran­zö­si­sche Heil­erde gewünscht wird, kommt man nicht  umhin, die­se impor­tie­ren zu las­sen.»

© Andre­as Käser­mann

Unter­des­sen hat Loeb eben­so wie Glo­bus bblubb-Sei­fen im Sor­ti­ment. Und der zeit­wei­li­ge Pop Up Store des Swiss Design Mar­kets bie­tet die Pro­duk­te eben­falls feil. Eini­ge Sei­fen erhiel­ten das begehr­te Label «typisch Bern» von Bern Tou­ris­mus. Ergänzt wird das Ange­bot etwa mit hand­ge­mach­ten Flüs­sigsei­fen oder einem Wasch­mit­tel für Män­ner – abge­füllt in Behäl­ter, die der Ölfla­sche aus dem Auto­be­darf aufs Haar ähneln. Sie mischt Sei­fen mit Büf­fel­milch oder mit Bie­nen­ho­nig vom Alten­berg – eine Idee, wel­che Mosi­mann mit einem Stadt­ber­ner Imker aus­heck­te.

Mitt­ler­wei­le ist das Givea­way-Geschäft ein wich­ti­ges Stand­bein der Manu­fak­tur gewor­den: bblubb offe­riert in Char­gen, die auch mal 30‘000 oder 50‘000 Stück umfas­sen. Sei­fen­sie­gel für eine Wer­be­agen­tur, Hand­sei­fe die für eine Bank wirbt, Auf­trä­ge vom Bel­le­vue Palace oder von jenem Inter­lak­ner Hote­lier, der das heu­ri­ge Unspun­nen­fest auf­grei­fen woll­te und die Sei­fen­scha­len in den Zim­mern mit Sei­fen in Form des dort jeweils zu stos­sen­den Fels­brockens bestück­te. Die Unspun­nen­sei­fe habe sehr guten Anklang gefun­den. «Neben der klei­nen Hand­sei­fe für Hotel­gä­ste gibt es eine Ver­si­on für Schwin­ger­fin­ger.»

Skur­ri­le Ideen erwünscht

Ver­sei­fen las­se sich fast alles, sagt Mosi­mann. «Der Fan­ta­sie sind schier kei­ne Gren­zen gesetzt: von klas­si­schen Oli­ven­sei­fen über Anis­sei­fen bis zu Sei­fen mit Min­ze aus dem Gar­ten.» Je aus­ge­fal­le­ner ein Stück, umso inter­es­san­ter, fin­det Simo­ne Mosi­mann. Die Ideen fal­len ihr in den Schoss. Und auch poten­zi­el­le Kun­den tra­gen ihr bis­wei­len schrä­ge Pro­jek­te zu.

© Andre­as Käser­mann

Sehr schrä­ge gar: «Vor eini­gen Jah­ren habe ich einen Anruf von einem Künst­ler erhal­ten, der mich anfrag­te, ob ich ihm sein frisch abge­saug­tes Bauch­fett zur Sei­fe ver­ar­bei­ten wür­de.» Sie habe dan­kend abge­lehnt. «Obwohl ich mir im ersten Moment noch Gedan­ken gemacht habe, wie man der­lei wohl anstel­len müss­te.» Der betref­fen­de Künst­ler jedoch blieb kein unbe­schrie­be­nes Blatt: Wenig spä­ter ging die Geschich­te eines Künst­lers mit Namen Gian­ni Mot­ti durch die Medi­en, der im Tes­sin eine Sei­fe aus­stell­te, die angeb­lich aus dem Bauch­fett des sei­ner­zeit sicht­lich erschlank­ten Sil­vio Ber­lus­co­ni her­ge­stellt wor­den sein soll. Die Her­kunft des Roh­stoffs wur­de frei­lich vom Palaz­zo Chi­gi zu Rom vehe­ment demen­tiert: Ber­lus­co­nis Bauch­fett sei nicht abge­saugt wor­den – es sei viel­mehr auf­grund einer ganz spe­zi­el­len «Wun­der­di­ät» getilgt wor­den, wel­che der Leib­arzt des dama­li­gen ita­lie­ni­schen Pre­miers per­sön­lich ent­wickelt haben will.

Hier gibt es bblubb-Sei­fen aus der Läng­gas­se

  • Loeb, Bern
  • Glo­bus, Bern
  • Swiss Design Mar­ket, Ecke Spi­tal­gas­se / Schwei­zer­hof­pas­sa­ge
  • Fabrik­la­den Hal­lerstr. 8, 2. UG: Mitt­woch und Frei­tag 12:00 Uhr bis 17:30 Uhr
  • bblubb.ch/shop

Expan­si­on mit Hand­ar­beit

Wie dem auch sei: Die Geschäf­te der cle­ve­ren Ber­ne­rin flo­rie­ren auch ohne Bauch­fett­sei­fen auf  erfreu­li­che Wei­se: Unter­des­sen ist der Betrieb stark gewach­sen. Simo­ne Mosi­mann hat ihren Job als Gym­na­stik­trai­ne­rin an den Nagel gehängt und setzt unter­des­sen voll­stän­dig auf Sei­fe. «Um die Auf­trä­ge zu bewäl­ti­gen, die Offer­ten pünkt­lich abzu­lie­fern und die Rech­nun­gen zu ver­sen­den habe ich mir Hil­fe geholt.» Seit eini­ger Zeit wirkt Geschäfts­part­ner Linus Frey mit. Er trei­be sie wei­ter zum Erfolg an und brin­ge eini­ges an Know­How mit, das ihr sel­ber feh­le, sagt Mosi­mann. «Linus ist ein wich­ti­ger Part­ner: Er kennt Mar­ke­ting-Knif­fe, hält die Admi­ni­stra­ti­on à jour und hat mitt­ler­wei­le auch viel vom Sei­fen­hand­werk erlernt, so dass wir oft gemein­sam pro­du­zie­ren kön­nen.»

© Andre­as Käser­mann

Die bei­den haben mit der Sei­fen­ma­nu­fak­tur gros­se Plä­ne: «Wir wol­len wei­ter wach­sen. Wir sehen uns nach mehr Pro­duk­ti­ons­raum um und hof­fen, der­einst auch in einem noch grös­se­ren Team pro­du­zie­ren zu kön­nen.» Bereits heu­te lagert die Manu­fak­tur eini­ge Arbei­ten aus, wel­che die Sei­fen-Her­stel­lung über­stei­gen: «Gera­de bei den klei­nen Sei­fen, die sich als Mit­bring­sel, GiveA­ways und klei­ne Geschen­ke eig­nen, macht die ori­gi­nel­le, lie­be­voll gestal­te­te Ver­packung viel aus. Die­se Arbei­ten  erle­di­gen wir nur noch zum Teil sel­ber – grös­se­re Char­gen geben wir an Inte­gra­ti­ons- und Behin­der­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen, die das Ver­packen über­neh­men.»

Mas­sen­pro­duk­ti­on? Der Begriff gefällt Simo­ne Mosi­mann ganz offen­sicht­lich nicht. «Wir wer­den eine Manu­fak­tur blei­ben. Bei uns pas­siert alles von Hand. Auch wenn es mal in lan­gen Arbeits­schich­ten mün­det.» Eine die­ser lan­gen Pro­duk­ti­ons-Schich­ten steht unmit­tel­bar nach unse­rem Gespräch an: Es gilt, noch eine statt­li­che Serie Sei­fen im Auf­trag eines Kun­den zu gies­sen. An der Hal­ler­stras­se 8 brennt wohl an die­sem Herbst­abend noch län­ger Licht.

Andre­as Käser­mann