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Neue Wege bei der Abfall­tren­nung

6. Sep­tem­ber 2018

© Andre­as Käser­mann

Die Stadt Bern sucht einen neu­en Weg beim Recy­cling und testet seit Anfang Sep­tem­ber ein neu­es und schweiz­weit ein­zig­ar­ti­ges Recy­cling-System mit far­bi­gen Abfall­säcken. Die Stadt bringt damit den Sam­mel­con­tai­ner prak­tisch vor die Haus­tü­re und trägt der 24-Stun­den- Gesell­schaft Rech­nung.

Die Schweiz ist ein Land der Abfall­tren­ner: Im Jahr 2016 fie­len gemäss Bun­des­amt für Sta­ti­stik BFS hier­zu­lan­de 6,1 Mil­lio­nen Ton­nen Sied­lungs­ab­fäl­le an. 52 Pro­zent davon wur­den sepa­rat gesam­melt und dem Recy­cling zuge­führt – vor allem Alt­pa­pier, Grün­ab­fäl­le und Glas.

Der Anreiz zum Abfall­tren­nen hat sich mit dem weit ver­brei­te­ten Gebüh­ren­sack ver­stärkt. Wer kon­se­quent trennt, kann Jahr für Jahr eine Men­ge Keh­richt­säcke und damit einen schö­nen Bat­zen spa­ren. Doch die Stadt Bern ist sicher, dass es noch Luft nach oben gibt.

Vor vier Jah­ren hat dar­um Ent­sor­gung-Bern-Chef Wal­ter Mat­ter über eine neue Lösung nach­ge­dacht und wur­de in Schwe­den fün­dig: «Der Abfall wird wie bis­her im Haus­halt getrennt, dann jedoch nicht mehr zur Sam­mel­stel­le im Quar­tier gebracht, son­dern in far­bi­gen Säcken direkt vor der Haus­tü­re in einen Con­tai­ner gewor­fen.» Die Idee des Farb­sack-System war gebo­ren: Einen roten Beu­tel für PET, einen in lila für Glas. In die gel­be Tüte gehö­ren Kunst­stof­fe – Alu- und Blech­do­sen in den grau­en. Für Papier und Kar­ton gibt es einen brau­nen Papier­sack und der rest­li­che Haus­keh­richt wird im gewohn­ten blau­en Gebüh­ren­sack ent­sorgt.

© Stadt Bern

Pro­be­ga­lopp mit 2500 Haus­hal­ten

Das neu­ar­ti­ge System wer­de nun erst­mals in der Schweiz gete­stet, sagt die zustän­di­ge Ber­ner Gemein­de­rä­tin Ursu­la Wyss: «Bern nimmt mit dem Farb­sack-Trenn­sy­stem in der Schweiz eine Vor­rei­ter­rol­le ein und setzt ein muti­ges Zei­chen für die Umwelt.» Für den Pilot­ver­such wur­den Immo­bi­li­en unter­schied­li­cher Grös­se und Preis­klas­se aus­ge­wählt. Bei die­sen Lie­gen­schaf­ten kön­nen nun Sam­mel­säcke rund um die Uhr und an jedem Wochen­tag im Con­tai­ner direkt bei der Haus­tü­re ent­sorgt wer­den kann. «Das ent­spricht einem Kun­den­be­dürf­nis», ist Wal­ter Mat­ter über­zeugt. «Und es hilft zudem den Sam­mel­stel­len, wel­che stän­dig über­la­stet sind und wo wir ein star­kes Ver­kehrs­auf­kom­men haben.» Einer­seits durch die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer, wel­che oft per Auto hin­fah­ren – ande­rer­seits auch durch die Ent­sor­gungs­last­wa­gen, wel­che die Con­tai­ner regel­mäs­sig – an Sams­ta­gen oft mehr­mals – lee­ren.

Auch aus gesund­heit­li­cher Sicht ver­spricht sich der Ber­ner Chef-Ent­sor­ger eini­ges: «Die Arbeit bei der Müll­ab­fuhr ist ein har­ter Kno­chen­job. Nach heu­ti­gem System hievt jeder ein­zel­ne Bela­der täg­lich drei bis fünf Ton­nen Keh­richt in den Abfuhr­wa­gen. Nach dreis­sig Dienst­jah­ren sind die­se Mit­ar­bei­ter kör­per­lich völ­lig ver­braucht.» Sol­che Jobs kön­ne und wol­le man künf­tig nicht mehr anbie­ten.

Frei­lich ist das Recy­cling­gut nach dem Ein­sam­meln im Abfuhr­wa­gen wie­der bunt gemischt. Die Wert­stof­fe sind zwar durch­aus in far­bi­ge Säcke sor­tiert, die­se pur­zeln aber zunächst wie­der wild durch­ein­an­der. Wäh­rend des Pilot­ver­suchs wer­de die Tren­nung der ver­schie­de­nen Wert­stof­fe vor­über­ge­hend von Hand erle­digt, erklärt Wal­ter Mat­ter. «Soll­te der Pilot­ver­such posi­tiv ver­lau­fen und das Farb­sack-System der­einst in der gan­zen Stadt ein­ge­führt wer­den, wird die Tren­nung der ein­zel­nen Säcke mit einer neu­en Sor­tier­ma­schi­ne auto­ma­tisch erfol­gen.»

Stadt Bern lei­stet Schwei­zer Pio­nier­ar­beit

Zwar ist die Idee mit den far­bi­gen Sam­mel­säcken in einer Hand­voll euro­päi­scher Städ­te bereits erfolg­reich ein­ge­führt wor­den – die Erfah­run­gen hier­zu­lan­de feh­len aber noch. Bei Ent­sor­gung Bern sei man dar­um äus­serst gespannt, ob der Pilot­ver­such auch hier vor­stel­lungs­ge­mäss funk­tio­nie­re. Gemein­de­rä­tin Ursu­la Wyss ist zuver­sicht­lich: «Der Nut­zen und der erhöh­te Kom­fort des neu­en Sam­mel­sy­stems über­zeu­gen. Es dürf­te die Recy­cling­quo­te in Bern wei­ter erhö­hen und ist damit ein öko­lo­gisch sinn­vol­ler Schritt.»

Der Ber­ner Pilot­ver­such soll bis August 2019 lau­fen. Danach wer­de ent­schie­den, ob sich das Modell bewährt und stadt­weit ein­ge­führt wer­den soll. Und damit viel­leicht gar als Vor­bild für ande­re Lan­des­re­gio­nen taugt: Immer­hin kämpft man auch aus­ser­halb der Bun­des­stadt mit ähn­li­chen Ent­sor­gungs- und Recy­cling-Pro­ble­men.

Andre­as Käser­mann