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8. Novem­ber 2017

© Andre­as Käser­mann

In weni­gen Wochen läuft in der Schweiz die Gna­den­frist für das ana­lo­ge Tele­fon­netz ab. Vie­le haben bereits umge­stellt – für Nach­züg­ler wird es jetzt Zeit, auf IP-Tele­fo­nie umzu­stei­gen.

Die gute Nach­richt zuerst: Der Tele­fon-Anschluss wird am Neu­jahrs­tag auch dann funk­tio­nie­ren, wenn der Umstel­lungs­ter­min ver­säumt wur­de. Schon nur, weil Swiss­com bestimmt kein Inter­es­se an einer völ­lig über­la­ste­ten Stö­rungs­hot­line zum Jah­res­be­ginn hat: «Unse­re Kun­din­nen und Kun­den wer­den auch nach dem Jah­res­wech­sel tele­fo­nie­ren kön­nen, denn wir schal­ten kei­nen Anschluss ohne Vor­in­fo ab», ver­si­chert Brun­hil­de Mau­the, Head of Com­mu­ni­ca­ti­ons All IP. Tat­säch­lich hät­ten aber schon jetzt sehr vie­le Pri­vat­haus­hal­te umge­rü­stet; bis zum Jah­res­en­de rech­net der Bran­chen­rie­se nur noch mit weni­gen Nach­züg­lern.

Swiss­com for­ciert Umstieg

Der Wech­sel von der ana­lo­gen auf die IP-Tele­fo­nie ist ein welt­wei­ter Pro­zess. Tele­ko­m­an­bie­ter haben zuse­hends Mühe, für das alte Netz die nöti­gen Ersatz­tei­le oder auch Per­so­nal mit ent­spre­chen­dem Know-how zu fin­den. Über­dies: Der Unter­halt zwei­er Par­al­lel­sy­ste­me ist teu­er; das wirt­schaft­li­che Inter­es­se ent­spre­chend gross, dem in die Jah­re gekom­me­nen Ana­lo­gnetz den Stecker zu zie­hen. Ins­be­son­de­re auch, weil die IP-Tele­fo­nie soli­de funk­tio­niert und die Kin­der­krank­hei­ten der Anfangs­ta­ge aus­ge­merzt sind. Aus­ser­dem kön­ne die bis­he­ri­ge Tech­no­lo­gie die Ansprü­che von Kun­din­nen und Kun­den nicht mehr erfül­len.

Das digi­ta­le Tele­fon­netz bie­tet denn auch vie­le Zusatz­funk­tio­nen, wie Brun­hil­de Mau­the aus­führt: «Wer sich von Wer­be­an­ru­fen belä­stigt fühlt, kann die­se ganz ein­fach und kosten­los im Kun­den­cen­ter oder an der Hot­line sper­ren las­sen.» Das funk­tio­niert zwar nicht ganz in 100 Pro­zent der Fäl­le, die Tref­fer­quo­te sei aber sehr hoch und wer­de wei­ter ver­bes­sert. «Aus­ser­dem ist die aku­sti­sche Qua­li­tät der Gesprä­che dank High-Defi­ni­ti­on-Ton deut­lich bes­ser als bei der ana­lo­gen Tele­fo­nie.»

Fer­ner zeigt ein moder­nes IP-Tele­fon nicht bloss die Tele­fon­num­mer eines Anru­fers an, son­dern – sofern er in den offi­zi­el­len Ver­zeich­nis­sen ver­merkt ist – auch des­sen Namen. Und schliess­lich: Dank des zwi­schen­ge­schal­te­ten Rou­ters ist es mög­lich, kosten­frei über WLAN mobil zu tele­fo­nie­ren.

Frei­lich hat die IP-Tele­fo­nie auch Nach­tei­le. Bei einem Strom­aus­fall etwa ist die Lei­tung tot. Brun­hil­de Mau­the rela­ti­viert jedoch: «Das ist ein Makel, den wir bereits von ana­lo­gen schnur­lo­sen Tele­fo­nen ken­nen. Auch deren Basis­sta­tio­nen sind auf Strom ange­wie­sen und ver­sa­gen den Dienst bei einem Black­out.» Für die­sen Fall lies­se sich eine auto­ma­ti­sche Ruf­num­mern-Umlei­tung ein­rich­ten – etwa auf das Mobil­te­le­fon. Und soll­te der Rou­ter mal strei­ken, wird eine optio­na­le Aus­fall­si­che­rung ange­bo­ten – etwa für Kun­den, die beruf­lich auf eine stän­di­ge Inter­net­ver­bin­dung ange­wie­sen sind.

Umstel­lung auf gutem Wege

Gemäss Swiss­com ist die Umstel­lung von der ana­lo­gen auf die IP-Infra­struk­tur fort­ge­schrit­ten und auf Kurs: «Schon heu­te pro­fi­tie­ren fast vier Fünf­tel aller Kun­din­nen und Kun­den von den Vor­tei­len der IPTe­le­fo­nie.» Ab Anfang 2018 wer­den erste grös­se­re Regio­nen der Schweiz voll­stän­dig umge­stellt. Erst dann wird mit dem Rück­bau der alten Infra­struk­tur begon­nen. Wer den Umstieg ver­säu­me, wer­de jedoch vor­der­hand nicht ohne Ver­bin­dung daste­hen: «Die ver­blei­ben­den Kun­den wer­den von Swiss­com per­sön­lich und nöti­gen­falls auch mehr­fach kon­tak­tiert», ver­si­chert die All-IP-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­ant­wort­li­che Brun­hil­de Mau­the.

Für Pri­vat­per­so­nen ist der tech­ni­sche Auf­wand beim Umstieg im Nor­mal­fall gering: statt das Fest­netz­ge­rät direkt an der Dose an der Wand ein­zu­stecken, läuft es neu über einen Inter­net­rou­ter. Die­ser wird von der Anbie­ter­fir­ma – etwa Swiss­com, Cable­com usw. – zur Ver­fü­gung gestellt. Neben neu­en IP-Tele­fo­nen las­sen sich dar­an auch älte­re ana­lo­ge Tele­fo­ne betrei­ben – wenn auch mit die­sen Gerä­ten nicht ganz jeder Kom­fort der digi­ta­len Tele­fo­nie zur Ver­fü­gung steht. Ein­zig für sehr alte Tele­fo­ne und sol­che, die noch mit Wähl­schei­be funk­tio­nie­ren, wird für den wei­te­ren Betrieb ein zusätz­li­cher Adap­ter benö­tigt.

Auch für Spe­zi­al­an­wen­dun­gen – etwa Not­ruf­sy­ste­me in Auf­zü­gen oder Alarm­ein­rich­tun­gen für betag­te Per­so­nen – loh­nen sich Abklä­run­gen, ob die­se auf dem IP-Netz funk­tio­nie­ren. Gemäss Swiss­com gibt es jedoch für die mei­sten der­ar­ti­gen Fäl­le Ersatz­lö­sun­gen, die auf Mobil­te­le­fo­nie beru­hen.

Andre­as Käser­mann

aus casa­nostra 143

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