Neue Wege bei der Abfalltrennung

6. Sep­tem­ber 2018 | casanos­tra, Jour­nal­is­mus

Farbsäcke© Stadt Bern

Die Stadt Bern sucht einen neuen Weg beim Recy­cling und testet seit Anfang Sep­tem­ber ein neues und schweizweit einzi­gar­tiges Recy­cling-Sys­tem mit far­bigen Abfall­säck­en. Die Stadt bringt damit den Sam­mel­con­tain­er prak­tisch vor die Haustüre und trägt der 24-Stun­den- Gesellschaft Rechnung.

aus casanos­tra 147

© Casafair Schweiz

Die Schweiz ist ein Land der Abfall­tren­ner: Im Jahr 2016 fie­len gemäss Bun­de­samt für Sta­tis­tik BFS hierzu­lande 6,1 Mil­lio­nen Ton­nen Sied­lungsabfälle an. 52 Prozent davon wur­den sep­a­rat gesam­melt und dem Recy­cling zuge­führt – vor allem Alt­pa­pi­er, Grün­abfälle und Glas.

Der Anreiz zum Abfall­tren­nen hat sich mit dem weit ver­bre­it­eten Gebühren­sack ver­stärkt. Wer kon­se­quent tren­nt, kann Jahr für Jahr eine Menge Kehricht­säcke und damit einen schö­nen Batzen sparen. Doch die Stadt Bern ist sich­er, dass es noch Luft nach oben gibt.

Vor vier Jahren hat darum Entsorgung-Bern-Chef Wal­ter Mat­ter über eine neue Lösung nachgedacht und wurde in Schwe­den fündig: «Der Abfall wird wie bish­er im Haushalt getren­nt, dann jedoch nicht mehr zur Sam­mel­stelle im Quarti­er gebracht, son­dern in far­bigen Säck­en direkt vor der Haustüre in einen Con­tain­er gewor­fen.» Die Idee des Farb­sack-Sys­tem war geboren: Einen roten Beu­tel für PET, einen in lila für Glas. In die gelbe Tüte gehören Kun­st­stoffe – Alu- und Blech­dosen in den grauen. Für Papi­er und Kar­ton gibt es einen braunen Papier­sack und der restliche Hauskehricht wird im gewohn­ten blauen Gebühren­sack entsorgt.

© Stadt Bern

Probegalopp mit 2500 Haushalten

Das neuar­tige Sys­tem werde nun erst­mals in der Schweiz getestet, sagt die zuständi­ge Bern­er Gemein­derätin Ursu­la Wyss: «Bern nimmt mit dem Farb­sack-Trennsys­tem in der Schweiz eine Vor­re­it­er­rolle ein und set­zt ein mutiges Zeichen für die Umwelt.» Für den Pilotver­such wur­den Immo­bilien unter­schiedlich­er Grösse und Preisklasse aus­gewählt. Bei diesen Liegen­schaften kön­nen nun Sam­mel­säcke rund um die Uhr und an jedem Wochen­tag im Con­tain­er direkt bei der Haustüre entsorgt wer­den kann. «Das entspricht einem Kun­denbedürf­nis», ist Wal­ter Mat­ter überzeugt. «Und es hil­ft zudem den Sam­mel­stellen, welche ständig über­lastet sind und wo wir ein starkes Verkehrsaufkom­men haben.» Ein­er­seits durch die Nutzerin­nen und Nutzer, welche oft per Auto hin­fahren – ander­er­seits auch durch die Entsorgungslast­wa­gen, welche die Con­tain­er regelmäs­sig – an Sam­sta­gen oft mehrmals – leeren.

Auch aus gesund­heitlich­er Sicht ver­spricht sich der Bern­er Chef-Entsorg­er einiges: «Die Arbeit bei der Mül­lab­fuhr ist ein har­ter Knochen­job. Nach heutigem Sys­tem hievt jed­er einzelne Belad­er täglich drei bis fünf Ton­nen Kehricht in den Abfuhrwa­gen. Nach dreis­sig Dien­st­jahren sind diese Mitar­beit­er kör­per­lich völ­lig ver­braucht.» Solche Jobs könne und wolle man kün­ftig nicht mehr anbieten.

Freilich ist das Recy­clinggut nach dem Ein­sam­meln im Abfuhrwa­gen wieder bunt gemis­cht. Die Wert­stoffe sind zwar dur­chaus in far­bige Säcke sortiert, diese purzeln aber zunächst wieder wild durcheinan­der. Während des Pilotver­suchs werde die Tren­nung der ver­schiede­nen Wert­stoffe vorüberge­hend von Hand erledigt, erk­lärt Wal­ter Mat­ter. «Sollte der Pilotver­such pos­i­tiv ver­laufen und das Farb­sack-Sys­tem dere­inst in der ganzen Stadt einge­führt wer­den, wird die Tren­nung der einzel­nen Säcke mit ein­er neuen Sortier­mas­chine automa­tisch erfolgen.»

Stadt Bern leistet Schweizer Pionierarbeit

Zwar ist die Idee mit den far­bigen Sam­mel­säck­en in ein­er Hand­voll europäis­ch­er Städte bere­its erfol­gre­ich einge­führt wor­den – die Erfahrun­gen hierzu­lande fehlen aber noch. Bei Entsorgung Bern sei man darum äusserst ges­pan­nt, ob der Pilotver­such auch hier vorstel­lungs­gemäss funk­tion­iere. Gemein­derätin Ursu­la Wyss ist zuver­sichtlich: «Der Nutzen und der erhöhte Kom­fort des neuen Sam­mel­sys­tems überzeu­gen. Es dürfte die Recy­clingquote in Bern weit­er erhöhen und ist damit ein ökol­o­gisch sin­nvoller Schritt.»

Der Bern­er Pilotver­such soll bis August 2019 laufen. Danach werde entsch­ieden, ob sich das Mod­ell bewährt und stadtweit einge­führt wer­den soll. Und damit vielle­icht gar als Vor­bild für andere Lan­desre­gio­nen taugt: Immer­hin kämpft man auch ausser­halb der Bun­desstadt mit ähn­lichen Entsorgungs- und Recycling-Problemen.

Andreas Käser­mann