«MusiKuss» und seine «LaengoBarden» Die närrischen Värslischmiede aus der Längasse

2. Feb­ru­ar 2018 | Jour­nal­is­mus, Läng­gass­blatt

Länggassblatt© Läng­gass­blatt

Die Fas­nacht ste­ht vor der Tür. Grosskampf­tage auch für die Schnitzel­bän­kler aus der Läng­gasse: die «Laen­go­B­ar­den». Vor der «schön­sten Zeit des Jahres» hat das «Läng­gass­blatt» einen der jahrgangsäl­testen Schnitzel­bän­kler der Stadt getroffen.

aus Läng­gass­blatt 249

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Nicht ohne Stolz zeigt der Schnitzel­bän­kler «MusiKuss» sein Instru­ment: Eine Drehleier, ein Sait­enin­stru­ment, welch­es an eine etwas klo­bige Geige erin­nert, aus­gerüstet mit ein­er Klaviatur und der oblig­at­en Kurbel. «Ich habe den Klang dieses Instru­ments zufäl­liger­weise am Radio gehört. Die mit­te­lal­ter­liche Drehlei­her klingt ähn­lich wie ein Dudel­sack.» Das passe per­fekt zu den vor­ge­tra­ge­nen Versen, sagt MusiKuss, der seinen richti­gen Namen nicht preis­geben möchte. Eine Art Fas­nacht­skodex sei das – min­destens unter Schnitzel­bän­klern, die sich ja auch mal bis­sig zum Zeit­geschehen und zur Classe poli­tique äussern.

Die Drehlei­her ist das Marken­ze­ichen der «Laen­go­B­ar­den». Hin­ter deren Masken und mit­te­lal­ter­lichen Kostü­men ver­ber­gen sich vier Her­ren reifer­en Alters. «Wir sind Rent­ner; alle­samt über 70 — der älteste bald 78jährig», erzählt MusiKuss, der im richti­gen Leben tat­säch­lich Musik­wis­senschafter ist. Das sei jedoch sein Zweit­beruf: «Ich arbeit­ete bis 62 als Kar­di­ologe. Dann wur­den mir über­raschend die Prax­is­räume wegen ander­weit­i­gen Bedarfs gekündigt.» Er habe sich ja schon vorgestellt, nicht bis zum AHV-Alter zu arbeit­en, jedoch sich so plöt­zlich umori­en­tieren zu müssen sei ihm nicht ganz leicht­ge­fall­en. Im Nach­hinein betra­chtet, sei dies aber eine Chance gewe­sen: «So habe ich mich let­ztlich wieder an der Uni eingeschrieben und Musik­wis­senschaften studiert.» Als mit Abstand ältester Stu­dent freilich.

Passion Fasnacht

Zur Fas­nacht sei er eben­falls im fort­geschrit­te­nen Alter gekom­men. «Ich wurde immer wieder von einem Fre­und ange­fragt, ob ich nicht Lust hätte, dessen Guggen­musik mit der Tuba zu unter­stützen. Mein Haupt­prob­lem war jedoch: Ich besass gar keine Tuba und kon­nte das Instru­ment auch gar nicht spie­len.» Dann sei der Zufall zu Hil­fe gekom­men. «Eine Musikge­sellschaft hat im Rah­men eines Basars alte Instru­mente verkauft und ich kon­nte zu einem guten Preis eine Tuba erste­hen.» Nach ein paar Stun­den Unter­richt habe er sich der Gugge seines Fre­un­des angeschlossen und später gar noch ein Sousaphon gekauft.

Doch das Gewicht dieser Bassin­stru­mente fährt auch dem eifrig­sten Fas­nächtler irgend­wann in die Knochen. Wiegt doch ein Sousaphon schon mal um die 10 bis 15 kg. Mit fast 70 hat sich MusiKuss darum vor drei Jahren eine neue Betä­ti­gung während der fün­ften Jahreszeit aus­gedacht: «Wie wäre es mit ein­er Schnitzel­bank-Gruppe? Bern ist ja nun wirk­lich nicht von solchen Grup­pen über­sät.» Zusam­men mit drei Fre­un­den – welche wie MusiKuss in der Läng­gasse zu Hause sind – wur­den so die Laen­go­B­ar­den gegrün­det. Denn: Schnitzel­bän­kler seien ja eigentlich Bar­den, sagt MusiKuss.

Mit spitzen Zungen

Der The­men und Ideen gibt es viele: Auf die Schippe nimmt die Gruppe alles, was die Läng­gasse hergibt, was Bern bietet und gerne auch wer Bern regiert. Stapi Alec von Graf­fen­ried kriegt eben­so sein Fett weg, wie Gemein­derätin Ursle Wyss. «Hin und wieder schauen wir auch über den Teller­rand und hauen Bun­desrats-Mit­glieder oder Führungsköpfe wie Trump, Putin, Erdo­gan oder andere in die Pfanne.»

Die Sprüche entste­hen im Team­work: «Anfangs haben wir an Textsitzun­gen alles gemein­sam aus­ge­heckt. Neben den Sujets auch die Verse.» Doch das sei nicht immer effizient ver­laufen. «Nun schreibt jed­er seine Reime allein und stellt sie allen per Email zur Diskus­sion.» Jedoch: nicht in jedem Fall sei klar, welch­er Vers nun ins Reper­toire über­nom­men wer­den soll. «Wir liefern uns gele­gentlich auch heftige Wort­ge­fechte, weil ver­ständlicher­weise jed­er seinen Vers am besten find­et.» Man habe sich aber stets gefun­den und sich let­ztlich auch immer wieder gefreut auf die entschei­den­den Tage im Feb­ru­ar oder März.

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Eine ernste Angelegenheit

Die Fas­nacht ist halt doch eine ern­ste Sache, scheint es. Jene in Bern ist immer­hin – nach Basel und Luzern freilich – die drittgrösste der Schweiz; auch wenn das hiesige Nar­ren­treiben just in diesen Fas­nacht­shochbur­gen als tra­di­tion­s­los belächelt wird. Allerd­ings gehen Über­liefer­un­gen von Fas­nacht­sak­tiv­itäten in Bern auf das 15. Jahrhun­dert zurück. Mit der Ref­or­ma­tion hat indes die Obrigkeit, die sich wohl von den Nar­ren zu arg gepie­sackt fühlte, die Fas­nacht kurz­er­hand ver­boten. Erst im 20. Jahrhun­dert gab es mehrere Anläufe, die Fas­nacht wiederzubeleben – es dauerte jedoch bis 1982, als dem Vere­in Bärn­er Fas­nacht die Rean­i­ma­tion der jahrhun­derte­lang entschlafe­nen Tra­di­tion gelang.

Seit nun­mehr 35 Jahren wird nun wieder gefas­nachtet. Und hat die Fas­nacht auch eine Ven­til­funk­tion? MusiKuss winkt ab: «Wir wollen Leute unter­hal­ten und dabei Spass haben. Dass dabei auch All­t­ags­dinge oder Poli­tik­er aller Couleur aufs Korn genom­men wer­den, liegt in der Natur der Sache.» Eine Abrech­nung sei dies aber nicht – zumin­d­est nicht bei den LaengoBarden.

Alles bereit für die Fasnacht 2018

Das Pro­gramm ste­ht seit Ende let­zten Jahres: «In den let­zten Wochen ist auswendig ler­nen und gemein­sam proben ange­sagt. Und der Grafik­er malt seine Hel­gen. Einen Platz für einen bran­dak­tuellen Vers hal­ten wir allerd­ings immer bis Anfang Feb­ru­ar offen.»

Gerne hät­ten wir dem Schnitzel­bän­kler noch eine kleine Kost­probe aus dem Pro­gramm 2018 ent­lockt – es scheint aber, dass nichts zu machen ist. «Die Verse bleiben unter Ver­schluss bis Fas­nachts­be­ginn», heisst der finale Bescheid. Eben doch: eine ern­ste Sache, diese Fasnacht.

Andreas Käser­mann

Auftritte Fasnacht 2018

Die Laen­go­B­ar­den treten anlässlich der Schnitzel­banksoirée am Don­ner­stag, 15. Feb­ru­ar 2018 in fol­gen­den Restau­rants auf:

  • 20.20 Uhr, Rathaus
  • 20.45 Uhr, Schwingbäse
  • 22.00 Uhr, Zun­ft zu Webern
  • 23.15 Uhr, Gold­en­er Schlüssel
  • 23.40 Uhr, Arlequin

LaengoBarden-Schnitzelbänke von 2016 und 2017

© Laen­go­B­ar­den

D’Länggässler si daheime gfange,
was isch dr Grund derzue?
Das frag i mi, ha’s nid ver­stange,
es laht mir schlicht ke Rue.

Was isch das für ne Suppe,
wo me’n us‑z’löffle het,
dass Bärn di ganz’ Läng­gässler-Truppe
mit POLLER i gsper­rt het?

Was? No meh Poller?
De nimm i dr Roller!

© Laen­go­B­ar­den

Siebe minus eis git sächs
plus drü git wieder sibe –
So wird bim Jasse öppe Frächs
strich­wys uf d’Tafle g’schribe.

Mir chöi das fasch nid fasse,
wiu, ou bim Säs­su­tanz
vom Bun­desrat, geit’s wie bim Jasse:
me seit däm Konkordanz!

Jitz het si ihre «Coq au vin»,
d’SVP…dr Parmelin

 

© Laen­go­B­ar­den

Was lan­det da z’Bärn im Erlacher­höfli
Es UFO im Börg­er­for­mat!
Für d’SP es nid kalkulierts Katas­tröphli
Wär ROT doch mit WYSS scho parat –

Hätt d’Stapiwahle gärn gwunne,
da chun­nt es grüens Männli der­här,
äs steit ere Frou gross und fräch vor dr Sunne -
Wohär chun­nt dä nume — wohär??

Är chun­nt nid vom Mars — isch e Bärn­er Gring
ALEC-DR-GRÜEN, üse BURGERKING!!