Jetzt ist Hochsaison für Langfinger

22. Novem­ber 2018 | casanos­tra, Jour­nal­is­mus

Einbrecher© Tim Reckmann/pixelio.de

Die Zahl der Ein­brüche nimmt zwar in der Schweiz laufend ab, den­noch: das Bun­de­samt für Sta­tis­tik berichtete im ver­gan­genen Jahr von 19 410 Ein­brüchen in Ein- und Mehrfam­i­lien­häuser. 53-mal wird also täglich irgend­wo in der Schweiz ein Ein­bruch in einen Pri­vathaushalt verübt.

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© Casafair Schweiz

Ger­ade jet­zt im Herb­st und Win­ter ist Ein­bruchs­sai­son. Die Ver­sicherun­gen sprechen nach der Umstel­lung auf Win­terzeit von ein­er Zunahme der Schadens­fälle von 20 Prozent. Vor allem der frühen Däm­merung wegen. Denn: Während in Geschäft­shäuser vor allem nachts einge­brochen wird, suchen Langfin­ger Pri­vat­woh­nun­gen mit Vorzug tagsüber und am frühen Abend heim. Meist wird beim Ein­dunkeln einge­brochen, bevor die Bewohn­er von der Arbeit nach Hause kommen.

Der Schaden kann dabei erhe­blich sein: com­par­is hat vor zwei Jahren errech­net, dass pro Ein­bruch durch­schnit­tlich gut 8500 Franken Schaden entsteht.

Risiko lässt sich senken – jedoch nicht auf 0

Ein­brech­er wollen nicht gese­hen wer­den und möglichst auch nie­man­dem begeg­nen. Sie scheuen Aufwand, Lärm und Kom­p­lika­tio­nen – alles Umstände, welche Aufmerk­samkeit erre­gen kön­nten. Damit Ein­brech­er nicht auf frisch­er Tat ertappt wer­den soll alles schnell, leise und unauf­fäl­lig von­stat­ten, gehen.

Der Grossteil der Ein­brüche geschieht denn auch nicht mit schw­erem Gerät, son­dern mit ein­fachen Uten­silien: etwa einem Schrauben­zieher, der in jede Jack­en­tasche passt. Mit dessen Hil­fe lassen sich schwach gesicherte Fen­ster und Türen aufhebeln.

© Bernd Kasper/pixelio.de

Offensichtliche Einladungen beheben

Die Polizeiko­rps und die Fach­stelle Krim­i­nal­präven­tion empfehlen eine ganze Palette von Mass­nah­men; es gelte jedoch, die Ver­hält­nis­mäs­sigkeit zu wahren. Ganz ohne finanziellen Aufwand lassen sich aber bere­its erste Mass­nah­men treffen:

  • Kippfen­ster: Ohne Gewal­tan­wen­dung, allen­falls mit einem Quäntchen Geschick lassen sich gekippte Fen­ster öff­nen. Gekippte Fen­ster gel­ten auch ver­sicherung­stech­nisch als offene Fen­ster, was unter Umstän­den eine Reduk­tion bei der Schaden­sreg­ulierung zur Folge haben kann. Die Polizei emp­fiehlt überdies, Kippfen­ster bei Abwe­sen­heit auch im ersten Stock geschlossen zu halten.
  • Schlüs­selde­pot: Auch Ein­brech­er ken­nen die gängi­gen Platzierun­gen von Schlüs­seln und suchen auch mal in Briefkästen, unter Fuss­mat­ten oder in Blu­men­töpfen nach ver­steck­ten Schlüs­seln. Auch die als kün­stlich­er Stein getarn­ten Schlüs­selde­pots sind – je nach Mod­ell – sehr offen­sichtlich als solche zu erkennen.
  • Briefkas­ten: Ein über­füll­ter Briefkas­ten ist ein deut­lich­es Sig­nal, dass nie­mand zu Hause ist. Die Polizei emp­fiehlt, bei der Post eine Liefer­un­ter­brechung aufzugeben oder Nach­barn zu bit­ten, den Briefkas­ten regelmäs­sig zu leeren.

Ohne­hin rät die Schweiz­erische Krim­i­nal­präven­tion, die gut­nach­barschaftlichen Ver­hält­nisse zu pfle­gen. Auf­fäl­ligkeit­en im Quarti­er kön­nten so beizeit­en ent­deckt werden.

Mehr Sicherheit kostet Geld

Sicher­heit­sex­perten erwäh­nen überdies Mass­nah­men, welche je nach Bedarf ins Geld gehen kön­nen. Min­ime Kosten fall­en etwa an bei Ver­wen­dung von bil­li­gen Zeitschal­tuhren, welche Präsenz im Haus simulieren kön­nen. Die Licht­show sollte jedoch nicht zu regelmäs­sig sein, damit eine Abwe­sen­heit nicht durch­schaut werde. Eine weit­ere, eher gün­stige Mass­nahme ist die Sicherung von Lichtschacht­git­tern mit ein­er mas­siv­en Verschraubung.

© Olga Meier-Sander/pixelio.de

Teur­er wird es, wenn etwa eine Videoüberwachung oder eine Alar­man­lage instal­liert oder ein Tre­sor beschafft wer­den soll. Bei let­zteren emp­fiehlt die Schweiz­erische Krim­i­nal­präven­tion übri­gens Mod­elle mit Zahlen­schloss. Bei Schlüs­sel­tre­soren wür­den Ein­brech­er häu­fig nach dem Schlüs­sel suchen, die Woh­nung so durcheinan­der­brin­gen und den gesucht­en Schlüs­sel nicht sel­ten gar finden.

Eben­falls ins Geld geht die verbesserte Sicherung von Türen und Fen­stern. Dabei ist es auch bei alten Türen möglich, diese mit Zusatzschlössern nachzurüsten. Hin­sichtlich Fen­ster emp­fiehlt die Schweiz­erische Krim­i­nal­präven­tion abschliess­bare Fen­ster­griffe und ver­schweis­ste Git­ter, die sich nicht ver­biegen lassen.

Die Kehrseite der Medaille

Diese Lösun­gen sind zwar zweifels­frei wirk­sam – einige haben aber auch unge­wollte Neben­ef­fek­te: Ein ver­git­tertes Fen­ster hält Langfin­ger dur­chaus ab, ist aber auch kein möglich­er Fluchtweg mehr, wenn es bren­nt. Alar­man­la­gen holen freilich rasch Hil­fe – Fehlalarme wer­den aber teuer ver­rech­net. Auch grelle Lam­p­en mit Bewe­gungsmeldern ver­scheuchen Diebe, illu­minieren aber noch viel häu­figer Igel auf der Pirsch, stre­unende Katzen und wogende Bäume und Sträuch­er in stür­mis­chen Nächt­en. All dies hat einen gewis­sen Nerv-Fak­tor und eine Güter­ab­wä­gung ist ratsam.

Auch Videoüberwachun­gen zeigen nur das, was Betrof­fene bere­its auf anderem Weg erfahren haben: dass einge­brochen wurde. Beson­ders wit­z­los – weil sie nicht ein­mal das schaf­fen – sind da Kam­era-Attrap­pen. Fach­leute rat­en entsprechend davon ab.

Für die Videoüberwachung gel­ten zudem recht rigide Vorschriften, welche die Per­sön­lichkeit­srechte schützen sollen. Des Nach­bars Garten oder das Trot­toir und die Strasse dür­fen nicht erfasst wer­den. Und wer seine Ter­rasse oder das Wohnz­im­mer überwacht, muss Gäste informieren, dass das Geschehen aufgeze­ich­net wird. Diese Infor­ma­tion­spflicht gilt eben­so gegenüber Handw­erk­ern, dem Babysit­ter und der Putzfrau.

Beratung lohnt sich

Die Polizeiko­rps beschäfti­gen Sicher­heits­fach­leute, welche für Beratun­gen vor Ort zuge­zo­gen wer­den kön­nen – da und dort sog­ar kosten­los. Wer Rat bei pri­vat­en Anbi­etern sucht, sollte sich der wirtschaftlichen Inter­essen der jew­eili­gen Fir­ma bewusst sein. Um sich nicht let­ztlich mit ein­er über­triebe­nen Lösung im eige­nen «Fort Knox» wiederzufind­en, sind Ver­gle­ich­sof­fer­ten ratsam.

Andreas Käser­mann