AirBnB

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6. April 2017 - casanostra

In den letz­ten Jah­ren hat sich ein alter­na­ti­ver Hotel­le­rie­trend eta­bliert: Über Inter­net-Anbie­ter wie etwa AirB­nB lässt sich ein Zim­mer oder auch eine gan­ze Woh­nung auf Zeit ver­mie­ten oder unter­ver­mie­ten. Ganz ein­fach lässt sich so unge­nutz­ter Wohn­raum – mit­un­ter sehr kurz­fris­tig – bele­gen – sei es für ein, zwei Näch­te oder auch für meh­re­re Monate.

Das ist an und für sich ein prak­ti­sches Modell und hilft leer­ste­hen­de Woh­nun­gen und kal­te Bet­ten zu ver­mei­den. Durch­gangs­gäs­te pro­fi­tie­ren von teil­wei­se sehr güns­ti­gen Logis für den Auf­ent­halt und Anbie­ter ver­die­nen einen finan­zi­el­len Zustupf.

Eigen­tü­mer muss infor­miert werden

Das ist durch­aus ver­lo­ckend, hat aber auch Tücken. Eine Woh­nung anbie­ten kann näm­lich sowohl ein Eigen­tü­mer wie auch ein Mie­ter. In letz­te­rem Fall ist jedoch Trans­pa­renz wich­tig, ansons­ten ist Ärger in Ver­zug. «Die Ver­mie­tung von Woh­nun­gen an Durch­gangs­gäs­te ist dann ein Fall von Unter­mie­te. Eine sol­che muss dem Ver­mie­ter gemel­det wer­den», sagt Immo­bi­li­en­treu­hän­de­rin Bar­ba­ra Müh­lestein, Dos­sier­spe­zia­lis­tin «Miet­recht» beim Haus­ver­ein Schweiz. «Wäh­rend jedoch eine klas­si­sche Unter­mie­te über meh­re­re Wochen oder Mona­te nicht per se ver­bo­ten wer­den kann, ist die Sach­la­ge bei der Unter­mie­te an Tages­gäs­te eine ande­re. Ein Ver­mie­ter kann sei­ne Zustim­mung zu einer sol­chen Nut­zung tat­säch­lich ver­wei­gern.» Das Gesetz hin­ke jedoch der Ent­wick­lung des rela­tiv neu­en Phä­no­mens hinterher.

Pro­ble­ma­tisch wird die Situa­ti­on spe­zi­ell dort, wo Woh­nun­gen dau­er­haft zu Hotel­ap­par­te­ments wer­den. Gera­de in den städ­ti­schen Regio­nen der Schweiz gibt es laut Müh­lestein die­sen Trend: «Woh­nun­gen, wel­che nur noch als Hotel­zim­mer die­nen, sind eigent­lich zweck­ent­frem­de­te Woh­nun­gen und tra­gen so zur Ver­knap­pung des klas­si­schen Wohn­raums bei. Höhe­re Prei­se sind die Fol­ge – das ist auch nicht im Inter­es­se der Mie­te­rin­nen und Mieter.»

AirBnB

Bild: Jan Claus | pixelio.de

Risi­ko­fak­tor Indoor-Botellón

Stö­ren kann auch, wenn in der AirB­nB-Woh­nung näch­tens eine rau­schen­de Par­ty steigt. Poten­zi­ell lau­te Kli­en­tel, ange­zo­gen von güns­ti­gen Prei­sen und – man­gels Gesichts­kon­trol­le – begüns­tigt durch die Anony­mi­tät des Inter­nets, ist weit schwie­ri­ger zu erken­nen als an der Rezep­ti­ons­the­ke im klas­si­schen Hotel. Die­sen Umstand haben auch die ein­schlä­gi­gen Buchungs­platt­for­men erkannt: Ange­bo­te­ne Zim­mer und Woh­nun­gen in denen kei­ne Par­ties gedul­det wer­den, kön­nen als sol­che spe­zi­ell aus­ge­zeich­net werden.

Jedoch kann die AirB­nB-Woh­nung im Miets­haus auch bei nor­ma­ler Nut­zung auf die gut­nach­bar­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se schla­gen, wen­det SP-Natio­nal­rat Tho­mas Har­deg­ger, Vize­prä­si­dent des Haus­ver­eins Schweiz ein: «Etwa dann, wenn durch regen Wech­sel der Gäs­te einer Woh­nung Unru­he oder gar ein Gefühl der Unsi­cher­heit ent­steht und die AirB­nB-Nut­zung bei Abschluss des Miet­ver­hält­nis­ses noch nicht bekannt war.» Die wei­te­ren Miet­s­par­tei­en könn­ten beim Ver­mie­ter inter­ve­nie­ren oder im Extrem­fall gar Min­der­wert gel­tend machen. «Dies wäre dann natür­lich auch nicht im Sin­ne eines Liegenschafts-Besitzers.»

Die Kon­tro­ver­se um Buchungs­platt­for­men wie AirB­nB ist mitt­ler­wei­le auch beim Bund ein Sujet: Das Bun­des­amt für Woh­nungs­we­sen hat unlängst die Eigen­tü­mer- und Mie­ter­ver­bän­de zu einem run­den Tisch ein­ge­la­den und will die Ent­wick­lung wei­ter ver­fol­gen. Affai­re à suivre.

Andre­as Käsermann

 


Vor­tei­le nut­zen – Aus­wüch­sen vorbeugen

Der Haus­ver­ein Schweiz aner­kennt die Vor­tei­le der Buchungs­por­ta­le. Sie beru­hen auf der Phi­lo­so­phie des Tei­lens und des pri­va­ten Gast­ge­ber­tums. Wäh­rend dem halb­jäh­ri­gen Aus­land­auf­ent­halt der eige­nen Toch­ter wird so das freie Zim­mer ver­mie­tet. Auch bestehen­de Zweit­woh­nun­gen wer­den über Online-Platt­for­men ver­mie­tet und bes­ser aus­ge­nutzt. Das ist zu begrüssen.

Es gibt jedoch eine Kehr­sei­te: Mit den Online-Platt­for­men lässt sich deut­lich mehr Geld ver­die­nen als mit der Ver­mie­tung von Erst- bzw. Dau­er­woh­nun­gen. Kom­mer­zi­el­le Anbie­ter kau­fen dar­um zuneh­mend Wohn­raum und ver­mie­ten die­sen mit hohen Tages­mie­ten an Tou­ris­ten oder Geschäfts­leu­te. Und zwar aus­ge­rech­net in Gebie­ten, wo bezahl­ba­re Woh­nun­gen Man­gel­wa­re sind. Etwa in Genf, in der Ber­ner Alt­stadt oder in den Tou­ris­ten­or­ten im Wal­lis und in Grau­bün­den, wo es ohne­hin zu vie­le Zweit- und zu wenig Erst­woh­nun­gen für die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung gibt.

Die Online-Platt­for­men haben also ihre Vor­zü­ge; jedoch dür­fen die Aus­wüch­se nicht über­hand neh­men. Eine bes­se­re Aus­nut­zung von bestehen­dem pri­va­ten Wohn­raum zu fai­ren Prei­sen ist durch­aus posi­tiv, die Umnut­zung von Erst­woh­nun­gen aus rein kom­mer­zi­el­len Grün­den jedoch miss­bräuch­lich. Aus­ser­dem regt der Haus­ver­ein Schweiz an, dass für Anbie­ter über Online-Ver­mitt­lungs­platt­for­men die glei­chen Regeln und Vor­schrif­ten gel­ten müs­sen wie für alle ande­ren Hotels, Bed & Bre­ak­fast, Pen­sio­nen oder pri­va­te Gast­ge­ber. Und letzt­lich dür­fen Ein­nah­men durch Ver­mie­tung und Unter­ver­mie­tung nicht am Fis­kus vor­bei­ge­schleust werden.